Respekt!

15.03.2010

Eigentlich ist es begrüßenswert, dass Politik so viele Menschen anzieht: In den vergangenen vier Podiumsdiskussionen zum OB-Wahlkampf waren jedes Mal zwischen 300 und 400 Leute gekommen. Einige wollen sich einfach informieren, um sich danach zu entscheiden. Andere hingegen haben ihre Stimme schon vergeben und bilden die Fanabteilung jedes Kandidaten.
 
Bei der ersten Veranstaltung haben die Salomon-Anhänger anscheinend noch geschlafen - die Rauschianer hingegen waren umso vollzähliger, und die Stimmung dementsprechend. Buhs und Pfiffe gegen Salomon, Bravos und Applaus für Rausch. Die Reaktionen für die Beiträge Ulrich von Kirchbachs fielen insgesamt etwas gemäßigter aus.

Das muss die Eitelkeit des amtierenden OB wahnsinnig gekränkt haben, so dass er seine Anhänger für die nächsten Male herzitiert - pardon: eingeladen - hat. Und deren Retourkutsche war einfach wie billig: jedes Mal, wenn Günter Rausch anhub zu sprechen, fing ein unglaubliches Gezische, Geraune und Gemeckere an. Ich habe meinen Augen und Ohren nicht getraut, als ich mich umgedreht habe: All die gutsituierten, geschniegelt-gewiegelten Salomon-Fans hatten ihre Manieren glatt zuhause vergessen.
 
Das allein wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn es denn in Freiburg gute Moderatoren gäbe. Nach den vier Podiumsdiskussionen kommen mir ernste Zweifel: Kann es wirklich sein, dass sich in der ganzen Stadt kein Moderator finden lässt, der dieser Bezeichnung Ehre erweist? Der sachlich, neutral und gut vorbereitet ist, kurz: der die Zügel fest in der Hand hält, selbst wenn's mit dem Publikum oder den Kandidaten kurzzeitig durchgeht? - Bisher Fehlanzeige! Den absoluten Tiefpunkt bildeten die Veranstaltungen der Freien Wähler und der Unabhängigen Frauen. Erstere zeichneten sich durch absolute Parteinahme für Dieter Salomon aus, letztere durch Laisser-Faire. Bei beiden geriet die Fragerunde völlig außer Kontrolle.
Dabei hätte gerade die Diskussion aus Frauen-Sicht dem Wahlkampf eine andere Note geben können. Stattdessen wurden die Frauen auf dem Podium nach außen verbannt und durften nur erzählen, wie sie die Terminkalender ihrer Männer koordinieren. Erst zum Schluss wurden sie zu konkreten Themen wie Schulsozialarbeit, Kinderbetreuung und Familienpolitik gefragt. Dabei hätten sich die Ansichten von Cristina Gangotena und Stefanie Rausch wunderbar in die laufende Diskussion der drei Männer integrieren lassen.
 
Bei den nächsten Veranstaltungen sollte sich jede(r) Morderator(in) vorher kritisch fragen, ob er oder sie dieser Aufgabe gewachsen ist. Ein bisschen Respekt vor der Rolle sollte schon sein - gleiches gilt auch für allzu unhöfliche Fans.
 
Hildegard Wollbold

Bürger, ernst genommen

17.02.2010

Menschen ernst zu nehmen, könnte eine leichte Übung sein. Man muss sie nur behandeln, wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Es könnte zur Gewohnheit werden.

Menschen ernst zu nehmen, sie also wirklich wertzuschätzen, beginnt mit subtiler Wahrnehmung: Wen habe ich da vor mir? Wie ist er gestimmt? Was treibt ihn um? Wofür begeistert er sich? Was macht ihm Sorge? Kann ich ihm helfen?  Ergo: Nur wer überdurchschnittlich gut wahrnimmt, eignet sich als Oberhaupt einer Gruppe, als Ober-Bürger-Meister.

Ulrich von Kirchbach hat bewiesen, dass er aufmerksam ist. Er kommt zu den Menschen, in ihr Quartier, auf ihren Marktplatz, in ihre Versammlungsräume. Er hört ihnen zu und antwortet mit Sachverstand, Verständnis und Bedacht. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich…

Die Menschen, die dem Menschen Ulrich von Kirchbach persönlich begegnen, sind beeindruckt. „War ja eben eine lebendige und bürgernahe Vorstellung vom Uli“, schreibt mir ein Freund nach dem Zukunftsgespräch im Rieselfeld. „Der Uli“ ist im Rieselfeld kein Unbekannter. Er ist häufig präsent, kommt zum Stadtteilfest, bringt seine Familie mit, schaut hin und ist nicht nur physisch präsent. Man weiß: Er kümmert sich. Er wird begrüßt wie ein alter Bekannter, verabschiedet wie ein Freund. Dazwischen ist Inhalt ohne heiße Luft.

„Vorwärts und nicht vergessen“, sagt Bertolt Brecht. „Solidarität“ könnte bald wieder ein gebräuchlicher Begriff werden.
 
Sigrid Hofmaier

Will er wirklich?

05.02.2010

Man kommt im Laufe eines Wahlkampfs ja mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch. An unseren Infoständen in allen Stadtteilen laufen die Interessierten und die Frustrierten vorbei, die Nicht- und die Erstwähler, die Salomon-, Kirchbach- und Rausch-Anhänger. Mit einigen kommt man ins Gespräch: Die Stimmung in den Quartieren mit geringer Eigenheimdichte ist absolut Anti-Salomon. In den sogenannten bürgerlichen bis großbürgerlichen Stadtteilen ist die Stimmung weitaus ausgewogener.
Bei diesen Straßengesprächen fällt auf, dass sich niemand über Ulrich von Kirchbach wirklich negativ äußert. Er hat sich in den letzten acht Jahren als Bürgermeister viele Sympathiepunkte konsequent erarbeitet und – was viel wichtiger ist – sie auch halten können. Das spricht eindeutig für seine menschlichen Qualitäten, aber auch für sein Verhandlungsgeschick, seine Verlässlichkeit, seine Zielstrebigkeit.

Allerdings hört man hin und wieder, seine Kandidatur sei womöglich nicht ernst gemeint. Er mache das nur für die SPD, damit die einen Kandidaten hat. Dazu kann ich ganz klar sagen: Jeder, der Ulrich von Kirchbach in der letzten Zeit persönlich erlebt hat, zweifelt nicht im geringsten an seiner Entscheidung. Ganz klar: Er will Oberbürgermeister werden. Es hat ihn niemand geschickt – er  ließe sich auch gar nicht schicken.
Wie ernst es Ulrich von Kirchbach mit seiner OB-Kandidatur nimmt, verrät allein ein Blick in seinen Terminkalender. An fast jedem Abend bis zum 25. April sind Veranstaltungen aller Art geplant: von der Fasnet bis zur Podiumsdiskussion mit den anderen Mitbewerbern. Immer sollen sich die Kandidaten dabei in Bestform präsentieren, da jedes ihrer Worte seziert, überprüft und auf die Goldwaage gelegt wird. Es ist ein Fulltime-Job, bei dem man noch dazu auf Schritt und Tritt überwacht wird. Eine Ochsentour – nach meinen Vorstellungen. Eine Herzensangelegenheit – würde mir Ulrich von Kirchbach antworten. So einen Marathon bewältigt man nicht, wenn man für sein Leben eigentlich einen Spaziergang geplant hätte. Auf so eine lange Strecke muss man sich intensiv vorbereiten: mental, familiär, finanziell. Allein die Kosten für so einen Wahlkampf sind immens hoch, und er deckt sie zu einem großen Teil aus der eigenen Tasche. Denn aus Prinzip lässt er sich nicht von finanzstarken Unterstützern (und Lobbyisten) kaufen, sondern setzt stattdessen auf kleine Spenden von vielen Menschen – und bedankt sich bei jedem einzelnen persönlich dafür. Eine wertschätzende Geste!

Dass er sich noch einmal zum Sozial- und Kulturbürgermeister hat wählen lassen, woraus vor allem die Grünen ihm allen Ernstes einen Strick drehen wollten, ist vor allem eines: eine Bestätigung der geleisteten Arbeit – und die hat sich Ulrich von Kirchbach redlich verdient. Das sahen übrigens alle Fraktionen im Gemeinderat so – außer den nach einer Wahlkampf-Strategie ringenden Grünen.

Wer also Ulrich von Kirchbach in den letzten Wochen persönlich erlebt hat, weiß: Er will! Denn er ist unermüdlich und arbeitet konsequent an sich. Er ist überzeugend – weil er überzeugt ist von dem, was er tut. Er erreicht die Herzen – weil er mit Herzblut bei der Sache ist. Er ist authentisch – weil er sagt, was er denkt.
Das Schöne daran: Immer mehr Menschen in Freiburg spüren das. Es ist greifbar: bei den Zukunftsgesprächen, den Podiumsdiskussionen, an den Infoständen und überall dort, wo man ihn persönlich erleben kann.
Sie haben immer noch Zweifel? – Treffen Sie ihn. Sie werden es erleben.

Hildegard Wollbold

Der dritte Kandidat

23.01.2010

Nun ist es entschieden: es gibt einen dritten Kandidaten. Prof. Dr. Günter Rausch tritt an, nominiert von der Gruppe WiR (Wechsel im Rathaus). Ich kenne und schätze Günter Rausch, der an der Evangelischen Hochschule Sozialmanagement lehrt, seit langem als einen engagierten Praktiker und Wissenschaftler, der für die soziale Entwicklung Freiburgs an vielen verschiedenen Stellen sehr positiv gewirkt hat.
 
Was bedeutet diese weitere Kandidatur für den Wahlkampf, was bedeutet sie für Ulrich von Kirchbach? Dieter Salomon hat es erst einmal die Sprache verschlagen, obwohl er damit rechnen musste, dass Rausch kandidiert. Aber wer zur Kandidatur von Ulrich von Kirchbach als erstes sagt: „Das ist mutig.“ tut wohl gut daran zu überlegen, wie er sich bei nächster Gelegenheit äußert. Und dazu braucht er offensichtlich Zeit, unser souveräner OB. Ganz anders Ulrich von Kirchbach, der (bei TV Südbaden) die Kandidatur begrüßt und als das darstellt, was sie ist: ein normaler demokratischer Vorgang. Nicht mehr, nicht weniger.
 
Ich begrüße die Kandidatur auch. Und zwar nicht, weil dadurch irgendwelche Rechenspiele die Chance auf einen zweiten Wahlgang höher erscheinen lassen – von Kirchbach will völlig zu Recht die Entscheidung im ersten Wahlgang. Sondern deshalb, weil das den Inhalt der politischen Auseinandersetzung im Wahlkampf verändert, ihn thematischer macht. Wie vor acht Jahren, als Michael Moos in souveräner Weise der politischen Diskussion seinen Stempel aufdrückte. Hin zu sozialen Fragen, die die Mehrheit der Bevölkerung angehen. Ein erster Blick zeigt, dass die Themen, die Rausch benennt, gar nicht so verschieden sind von dem, was Ulrich von Kirchbach wichtig findet. Salomon wird nun ganz anders herausgefordert. Und im Spektrum der Kandidaten rückt von Kirchbach nun deutlich in die Mitte. Dabei hat er klare Ziele für die Zukunft der Stadt. Und er hat realistische Vorstellungen, wie man sie umsetzt. Das zeichnet ihn gegenüber den anderen beiden Kandidaten aus.
 
Bernd Klippstein

Man muss auch gönnen können

12.01.2010

Kaum sind die Weihnachtsfeiern vorbei, bricht auch schon die Zeit der Neujahrs-Empfänge an. Dieses Jahr stehen diese gesellschaftlichen Events unter einem besonderen Stern: OB-Wahlkampf. Das bedeutet für die Protagonisten ja immer: Ausnahmezustand. Die Diplomatie landet oft in der Abstellkammer, stattdessen werden die härteren Bandagen angelegt. Als Außenstehender kann man das mit einem Schmunzeln quittieren – schließlich ist der Hauptpreis durchaus attraktiv, und keiner will am Ende als Verlierer dastehen.
 
Mir persönlich gefriert aber das Lächeln, wenn Grenzen überschritten werden – egal von welchem Kandidaten. Wenn also einer der Gegner zu unlauteren Mitteln greift. Weil er zum Beispiel über Macht verfügt, die der Konkurrent nicht hat. Einfach am längeren Hebel sitzt. Und das mal locker ausnutzt. Nicht einmal, sondern mehrmals.
Beispiel gefällig? – Numero eins: Weihnachtsempfang der Stadt für die Medienvertreter. Gastgeber ist der Oberbürgermeister, also genießt er traditionell das Rederecht. Natürlich streicht er dabei die eigenen Erfolge heraus – würde ja jeder machen. Und wenn er bald wiedergewählt werden möchte: sowieso. So weit, so gut. Die Grenze aber ist dort überschritten, wo er seinen Herausforderer mitsamt dessen Partei vor versammelter Mannschaft diskreditiert – wissend, dass der an dieser Stelle nichts erwidern darf, weil er an diesem Abend nur Gast ist.
 
Beispiel Numero zwei: Die zahlreichen Neujahrsempfänge von Stadt und Stadtteilen teilt der Oberbürgermeister zwischen sich und seinen Bürgermeistern auf. Dabei hat jeder die Gelegenheit, ein positives Resumée der geleisteten Arbeit zu ziehen. Es geht auch ums Sehen und Gesehen-Werden, darum, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. Vor allem natürlich in einem Wahljahr. Und was passiert heuer? – Einer der drei Bürgermeister bekommt vom amtierenden OB keinen einzigen Termin zugeteilt. Zufällig ist es der Herausforderer um den Posten des OB.
Warum? – Darüber kann ich als Freiburger Bürgerin nur spekulieren. Hat der „Noch-OB“ (Zitat BZ) etwa Fracksausen, dass der Sozial- und Kulturbürgermeister ihm die Show stiehlt? Wissend, dass der bei eben diesen Gelegenheiten seine Trümpfe ausspielen könnte: Weil er in seinen Zuständigkeitsbereichen hervorragende Arbeit geleistet hat. Und darüber hinaus direkt auf die Menschen zugeht, ihnen zuhört und jedem – trotz seiner überragenden Körpergröße – auf Augenhöhe begegnet. Ist es eine Sanktion des Chefs gegenüber einem seiner Abteilungsleiter? – Oder eben Machtmissbrauch, neudeutsch: Mobbing?
 
Ich bin keine Politikerin, ich verstehe nicht viel von Wahlkampftaktik und –gebaren. Aber ich bin ausgestattet mit einer guten Portion gesundem Menschenverstand. So wie übrigens die meisten Menschen in dieser Stadt. Und der sagt mir: Dieses Verhalten zeugt von schlechtem Stil! Weil da einer eben nicht seine persönlichen Stärken einsetzt, um sich einen Vorteil herauszuspielen, sondern seine Macht ausnutzt.
 
Wenn das mal kein Eigentor ist! Denn wir Zuschauer (also: Wähler) sind ja nicht blöd. Wir wollen einen spannenden Wahlkampf, in dem die Kontrahenten unter gleichen Bedingungen kämpfen können. Fairness und gegenseitiger Respekt heißt das Gebot der Stunde – gerade in einem hitzigen Gefecht. Der Kölner sagt’s etwas gemütlicher: Mer muss och jönne könne. Insgesamt ist das für mich eine Frage von Souveränität, von Anstand, von menschlicher Größe. Die sollte ein OB-Kandidat schon mitbringen, damit man ihn wählt. Schließlich will man ihm auf Augenhöhe begegnen.
 
Hildegard Wollbold

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